
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reproccesing)
EMDR ist ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren zur Verarbeitung stark belastender Erfahrungen.
Das dem Verfahren zugrunde liegende AIP-Modell (Adaptive Information Processing) geht davon aus, dass Erlebtes normalerweise so verarbeitet wird, dass es als vergangenes Ereignis eingeordnet werden kann: etwas, das geschehen, aber nicht mehr unmittelbar bedrohlich ist.
Wenn das Erlebte jedoch das übersteigt, was ein Mensch in dem Moment verkraften konnte, kann dieser Verarbeitungsprozess unterbrochen werden. Die entsprechenden Erinnerungsinhalte werden dann dysfunktional gespeichert. Bilder, Körperempfindungen, Emotionen und negative Selbstwahrnehmungen bleiben gleichsam „eingefroren“ und werden vom Nervensystem weiterhin wie eine aktuelle Bedrohung behandelt.
In der EMDR-Behandlung werden diese dysfunktional gespeicherten Erinnerungen gezielt aktiviert und mit bilateraler Stimulation durch geführte Augenbewegungen kombiniert. Ziel ist, dass das Nervensystem auf belastende Erinnerungen nicht mehr mit einer akuten Bedrohungsreaktion antwortet. Zu einer Sitzung gehören Imaginationsübungen zur Stabilisierung.
Studien zeigen, dass EMDR deutlich weniger Sitzungen benötigt als andere Verfahren: In der bislang größten kontrollierten Studie (Power et al., 2002) wurden mit EMDR im Schnitt 4,6 Sitzungen benötigt – gegenüber 14,8 Sitzungen bei verhaltenstherapeutischen Verfahren.
EMDR ist als Behandlung der ersten Wahl bei PTBS anerkannt – von der WHO, der APA, dem NICE (UK) und den deutschen AWMF-Leitlinien.
Power et al. (2002): RCT: EMDR vs. Expositionstherapie

Ablauf
Ersttermin
Wir vereinbaren einen ersten Termin (50-55 Min.) zum gegenseitigen Kennenlernen und schauen, ob EMDR eine passende Methode für Ihr Thema ist. Wenn Sie möchten, können Sie sich einen kurzen Anamnesebogen hier herunterladen, ausfüllen und mir schon vorab schicken.
EMDR-Ersttermin (80-85 Min.)
Hierfür nehmen wir uns ausreichend Zeit. Mein besonderes Augenmerk liegt auf einer ausreichend langen Stabilisierungsphase. Planen Sie, wenn möglich, für den restlichen Tag vorsorglich keine besonders herausfordernden Termine ein.
EMDR-Forgetermine (50 oder 80 Min.)
Die Sitzungsanzahl entscheiden wir individuell. Üblicherweise finden Sitzungen im Abstand von einer Woche statt. Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, hängt vor allem von der Art und Komplexität des Traumas ab. Bei einem einzelnen, klar umgrenzten Erlebnis können bereits 3 bis 5 Sitzungen ausreichen. Bei wiederholten Belastungserfahrungen sind 10 oder mehr Sitzungen realistisch.
Kontraindikationen:
– schwere Herz-Kreislauf-Probleme und Augenerkrankungen
– akute Psychosen oder manische Episoden
– instabile Ich-Struktur (z. B. schwere Dissoziation ohne ausreichende Stabilisierung)
– akute Suizidalität oder fehlende Affektregulation
– schwere Suchterkrankungen ohne Stabilisierung